Alexandra Musnig
wurde in die Kirchenvorsteherschaft Thal-Lutzenberg gewählt
Das Café Negropont in Rorschach wird von Senioren geführt. Was als befristetes Projekt von Pro Senectute begann, ist mittlerweile ein beliebter Treffpunkt in Rorschach. Die Betreibenden haben dennoch einen Wunsch: mehr jüngere Gäste.
Rorschach Die Geräuschkulisse im Café Restaurant Negropont ist hoch. Am Donnerstagmittag füllt sich das Lokal an der Reitbahnstrasse 2 bis fast auf den letzten Platz. Besteck klappert, Teller klirren, Gespräche erfüllen den Raum. Wer keinen Tisch reserviert hat, muss wieder gehen oder sich an einen Tisch setzen, an dem schon andere Gäste essen.
Für die Betreiber des Negropont,einem Projekt der Pro Senectute, ist das kein Grund zur Klage. «Im Gegenteil», sagt Rolf Gonzenbach, zuständig für die Medienarbeit. «Doch einen kleinen Wehmutstropfen gibt es dennoch.» Das Café werde meist mit älteren Menschen in Verbindung gebracht. Eigentlich sei es aber ein ganz normales Restaurant. «Wir sind froh über unsere Gäste undihnen enorm dankbar. Es wäre aber auch schön, wenn das Negropont ein Ort für den Austausch zwischen Jung und Alt wäre», sagt Gonzenbach.
Der Betrieb lebt von Freiwilligen. Zurzeit arbeiten 34 Seniorinnen und Senioren ehrenamtlich für das Negropont. Sie kochen, servieren, dekorieren die Tische, schreiben die Menükarte oder helfen bei der Planung von Veranstaltungen. Jeden Tag steht jemand anderes am Herd, andere übernehmen den Service. «Wir haben alle zusammen grossen Spass daran. Und das Wichtigste, es tut dem Kopf und der Seele unfassbar gut», erklärt Gonzenbach. Die Helferinnen und Helfer bringen unterschiedliche Erfahrungen mit. Niemand aber, hat je in derGastro gearbeitet. Für viele ist eseine neue Aufgabe. «Es gibt eine schöne Gemeinschaft, die durch die Arbeit im Negropont entsteht», sagt Gonzenbach.
Am Stammtisch sitzen sechs Personen, alle Stammgäste. «Alle kommen sie mehrmals pro Woche, einige sogar täglich», sagt er. Sie essen gemeinsam, tauschen sich aus, halten ein Schwätzchen mit Vorbeigehenden. Man kennt sich im Negropont. Wer eintritt, wird begrüsst, und oft dauert es nicht lange, bis einGespräch beginnt.
An diesem Mittag stehen Salat oder Zucchettisuppe als Vorspeise auf der Karte. Als Hauptgang Speck und Bohnen mit Salzkartoffeln und einem Würstchen. «Wir schauen, dass unsere Gäste Abwechslung haben. Es kommt nie zweimal hintereinander Schweinefleisch auf den Teller», sagt Gonzenbach. Und er gesteht, dass er Gästen, die kein Schweinefleisch mögen, auch schon einmal eine Hähnchenbrust serviert hat.
Gonzenbach engagiert sich seit fast fünf Jahren für das Projekt. Angefangen hat er als Küchenhilfe, heute kocht er, erstellt den Arbeitsplan für die Küche und sorgt für die Sichtbarkeit des Cafés im Internet. «Wir haben Gäste von Thal bis Tübach.» Manche kommen einmal pro Woche, andere nur gelegentlich, viele aber regelmässig. Wie viele Menschen ins Café finden, hängt auch vom Wetter ab. «Den Rollator und den Regenschirm gleichzeitig zu halten, ist nicht einfach», sagt er mit einem Schmunzeln. An sonnigen Tagen seien die Tische rasch belegt, bei Regen falle die Zahl etwas kleiner aus.
Wer Gonzenbach im Café beobachtet, spürt schnell seine Freude an den Gästen. Er winkt durchs Lokal, schenkt ein Lächeln, steht auch mitten im Essen auf, wenn jemand erscheint, den er länger nicht gesehen hat. Die Aufmerksamkeit bleibt selten unbemerkt, viele Gäste grüssen zurück.
Das Negropont ist längst mehr als ein Ort für Kaffee und Mittagessen. Seit kurzem gibt es ein Schachtreff. Jeden Montagnachmittag können Interessierte, ob jung oder alt, diebesten Züge ausprobieren, den Schäfermatt erlernen oder einfach eine Partie spielen. Auch Jass-Nachmittage sind Teil des Angebots. Mehrere Kartenstapel liegen stets bereit, und wer Lust hat, findet schnell Mitspieler. Wer keine Karten mag, kann an Sprachgruppen teilnehmen. Freiwillige bieten an, gemeinsam Französisch oder Englisch zu üben. Damit öffnet sich das Negropont auch für jüngere Menschen, die nach einem Treffpunkt, bei dem es noch etwas zu lernen gibt.
Damit all das funktioniert, sind viele helfende Hände nötig. «Wer Lust hat, tatkräftig in der Küche mitzuhelfen, unseren Gästen das Essen und Trinken zu servieren oder gar selbst zu kochen, darf sich gerne bei uns melden», sagt Gonzenbach. Immer wieder suchen die Verantwortlichen nach neuen Freiwilligen, die Freude am Kontakt mit Menschen haben.
Die Arbeit ist ehrenamtlich, doch für viele Helferinnen und Helfer einGewinn. Sie erleben Gemeinschaft, lernen neue Menschen kennen und tragen dazu bei, dass das Café weiterlebt.
Das Negropont bleibt damit ein besonderer Ort in Rorschach. Einerseits Treffpunkt für Seniorinnen und Senioren, andererseits offenes Café für die ganze Bevölkerung. Und wer an einem Mittag zum Essen vorbeikommt, spürt schnell, warum dieTische so selten leer bleiben.
Von Marino Walser
Eine sehr angenehme Location mit immer aufgestellten und freundlichen Angestellten. Da spürt man, wieviel Herzblut drin steckt. Kompliment den Beteiligten 👏👏👏
Alex Graf antwortenChapeau, dir Rolf und allen Negropontianer !
Beat Fritsche antworten
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